Zölle & Steuern bei Importen aus China – der ultimative Guide

Zölle Steuern Import China

Importe aus China sind mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Steuern verbunden. Geltende Steuern und die Kalkulation dieser hängen sehr von dem Land ab, in welchem die Produkte importiert werden sollen.  Auf den ersten Blick sieht die Besteuerung und der internationale Handel sicherlich sehr kompliziert aus. Aus diesem Grunde haben uns entschieden, Ihr Leben als Importeur einfacher zu machen.

In diesem Artikel werden wir die Grundlagen der Zollgebühren, die Mehrwertsteuer, Antidumpingabgaben und alle anderen Gebühren erklären, die bei Importen aus China in Europa, den USA und Australien anfallen.

Europäische Union

Die Europäische Union ist kein Land, sondern ein einzelner Markt. Dies bedeutet, dass alle Mitgliedstaaten der EU die gleichen Zollgebühren auf Produkte erheben, die aus Nichtmitgliedsstaaten stammen. Ein Importeur bezahlt nur einmalig die Zollgebühren für Produkte, die aus China importiert werden. Für Produkte, die innerhalb der Europäischen Union verkauft werden, werden keine Zollgebühren fällig. So müssen Ihre spanischen oder deutschen Kunden keine Zollgebühren für Produkte zahlen, die sich bereits in der Europäischen Union befinden.

Dabei unterscheiden sich die Zollgebühren jedoch je nah Produkt. Produkte, die nicht in der EU gefertigt werden (z.B. Unterhaltungselektronik) haben in der Regel geringe Zollgebühren – manchmal gar 0%. Produkte, die jedoch in der EU hergestellt werden und einen wichtigen Anteil an deren Wirtschaft haben, verfügen über höhere Zollgebühren. Beispielsweise werden auf Schuhe ganze 12% als Zollgebühr erhoben. Unten sehen Sie eine Liste üblicher Produkte und eren entsprechende Zollgebühr in der EU:

  • Armbanduhren: 4,5% (Min: 0,30€, Max: 0,80€)
  • Tablet PCs: 0%
  • Solarpanels: 0%
  • T-Shirts: 12%
  • Elektrofahrräder: 6%
  • LED Lampen: 4,7%
  • Erdnüsse: 12,8%

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Mehrwertsteuer (engl. „VAT“)

Die Mehrwertsteuer ist für alle EU Mitgliedsstaaten verpflichtend. Verschiedene Mitgliedsstaaten haben unterschiedlich hohe Mehrwertsteuern. Auch haben bestimmte Produkte wie Lebensmittel und Bücher oftmals geringere Mehrwertsteuersätze. Jedoch gilt die Standardmehrwertsteuerrate für die meisten Konsum- und Industrieprodukte, die aus China importiert werden. Klicken Sie hier, um eine Liste der Mehrwertsteuerraten aller EU Mitgliedstaaten zu erhaltens.

Die Mehrwertsteuer wird auf den Zollwert aufgeschlagen, wobei auch noch die Gebühr fällig wird (die auch auf dem Zollwert basiert).  Jedoch wird die auf importierte Produkte hinzugefügte Mehrwertsteuer wie die Mehrwertsteuer auf bezahlte Produkte innerhalb der EU gehandhabt (inklusive Käufe von anderen EU-Staaten). Dies bedeutet, dass die auf Importe hinzugefügte Mehrwertsteuer auch gegen die auf Verkäufe hinzugefügte Mehrwertsteuer gegengerechnet werden kann.

Zollwert

Im Grunde basiert der EU Zollwert auf dem Preis der CIF (Cost Insurance Freight) der importierten Güter. Unten folgt eine etwas genauere Aufteilung, welche Kosten der Zollwert enthält:

  1. Produktpreis
  2. Anlagekosten (z.B. Spritzgussformen)
  3. Verschiffung und Logistikkosten (zum Zielhafen)
  4. Produktentwicklungskosten (z.B. Produktsamples)
  5. Versicherung

Der Zollwert enthält nicht die folgenden Kosten:

  1. Vergütung und bezahlte Gebühren für Kaufagenten (z.B. Sourcingagenten)
  2. Transportkosten innerhalb des Landes des Importeurs (z.B. der Transport vom Hafen bis zum Endlieferpunkt)
  3. Kosten am Zielhafen (z.B. Hafengebühren und Zollfreigabegebühren)

Zollbehörden machen keine Schätzungen. Stattdessen soll der angegebene Wert deutlich auf dem Lieferschein erkennbar sein – ein Dokument, welches entweder von Ihrem Lieferanten oder von Ihrem Frachtführer ausgegeben wird. Ihr Lieferant muss also den korrekten Wert angeben. Ansonsten werden Sie am Ende den falschen Betrag zahlen.

Vereinigte Staaten von Amerika

Zollgebühren werden für alle Importe im Wert von mindestens 200US$ erhoben. Wie auch in der EU werden bestimmte Importe mehr versteuert als andere – besonders Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte. Unten folgt eine Liste an Produkten und deren entsprechende Zollrate in den USA:

  • Armbaduhren: 9,8% + 1,53$ pro Einheit
  • Tablet PCs: 0%
  • Solarpanels: 0%
  • T-Shirts: 16,5%
  • Elektrofahrräder: 0%
  • LED Lampen: 3,9%
  • Erdnüsse: 131,8%

Zusätzliche Steuern

Im Moment gibt es in den USA keine Mehrwertsteuer. Stattdessen gibt es die sogenannte Federal Excise Tax, die auf bestimmte Importe wie Tabakwaren und Alkohol erhoben wird. Im Moment gilt die Federal Excise Tax nicht für Konsumerprodukte, die aus China importiert werden.

Merchandise Processing Fee (MPF)

Alle Importe in die USA unterliegen der Merchandise Processing Fee. Die MFP basiert auf dem Bestellwert und ist in zwei Kategorien eingeteilt:

  • Importe von Waren im Wert von unter 2.500US$: 2US$, 6US$ oder 9US$ pro Verschiffung
  • Importe von Waren im Wert von mehr als 2.500US$: 0,3464% des Warenwerts
  • (Min. MPF: 25US$, Max.MPF: 485US$)

Die MPF ist im Allgemeinen eine recht vernachlässigbare Ausgabe bei Importen aus China. Klicken Sie hier, um mehr über die Merchandise Processing Fee zu erfahren.

Harbor Maintenance Fee (HMF)

Die HMF wird bei Seeimporten erhoben. Diese wurde in den späten 1980er Jahren entwurfen, um Importeure an den Wartungskosten der Terminalcontainer in den USA zu beteiligen. Jedoch wird die HMF keinen großen Einfluss unterm Strich machen – die momentane Rate liegt bei 0,125% des Frachtwerts.

Zollwert

Zollgebühren, die MPF und die HMF Gebühren werden auf Grundlage des FOB (Free on Board) kalkuliert. Dies enthält die folgenden Kosten:

  1. Produktkosten
  2. Transportkosten (zum Starthafen in China)
  3. Exportfreigabe (China)

Die meisten chinesischen Lieferanten geben Produktpreise basierend auf FOB-Konditionen an. Klicken Sie hier, um mehr über Incoterms bei Importen aus China zu lesen.

Australien

Australische Importeure genießen geringere Gebühren verglichen mit denen der Vereinigten Staaten von Amerika oder der Europäischen Union. Der Grund liegt vermutlich darin, dass Australien ein kleinerer Markt ist und nur über wenig kritische Industrien verfügt, die es vor der Konkurrenz zu schützen gilt. Unten folgt eine Liste an Produkten und deren entsprechende Zollgebühr für Australien:

  • Armbanduhren: 0%
  • Tablet PCs: 0%
  • Solarpanels: 0%
  • T-Shirts: 10%
  • Elektrofahrräder: 5%
  • LED Lampen: 5%
  • Erdnüsse: 5%

Mindestbeträge

Australier profitieren auch von den sehr großzügigen Freibeträgen für Importe aus China. Importe im Wert von bis zu 1.000 AU$ sind freigestellt von Zollgebühren, GST und der Import Processing Charge. Dies reicht sicherlich nicht aus, um die Mindestbestellmenge der meisten Lieferanten zu erreichen, aber es kann beim Kauf von Produktsamples von chinesischen Kunden sicherlich ein paar Dollar sparen.

Goods and Services Tax (GST)

Die GST wird auf dem Zollwert, dem Transport und der Versicherung der importierten Waren hinzugefügt – zusätzlich der Zollgebühr. Momentan liegt die GST bei 10%, wobei es die meisten von China in Australien importierten Produkte betrifft.

Import Processing Charge

Importierte Waren im Wert von mehr als 1.000AU$ unterliegen der Import Processing Charge. Der Betrag hängt von drei Faktoren ab:

  1. Transportmethode (See- oder Luftfracht)
  2. Typ der Importerklärung (Electronic oder Documentary Import Declaration)
  3. Zollwert (Güter zwischen 1.000 und 10.000AU$ oder Güter im Wert von mehr als 10.000AU$)

Die Gebühr wird für jede Importerklärung erhoben.  Dies bedeutet, dass Sie bei jedem Versand aus China nach Australien die Import Processing Charge zahlen müssen. Zum Glück liegt die Gebühr üblicherweise zwischen 40 und 50AU$. Klicken Sie hier, um mehr über die Import Processing Charge zu lesen.

Zollwert

Zollgebühren, die GST und die Import Processing Charge basieren auf dem FOB-Wert (Free on Board) der Güter. Dies enthält die folgenden Kosten:

  1. Produktkosten
  2. Transportkosten (zum Starthafen in China)
  3. Exportfreigabe (China)

Antidumpingabgaben

Die chinesische Regierung hat bestimmten Industrien und/oder lokalen Herstellern Subventionen zugesagt und tut dies noch immer. Im Endeffekt bedeutet dies, dass die relevanten chinesischen Hersteller Produkte unterhalb des Marktpreises verkaufen können. Das gute alte Preisdumping. Diese Praktiken werden von der EU und den USA nicht gern gesehen – was oftmals in Antidumpingabgaben endet. Diese betreffen manchmal ganze Industrien oder auch nur einzelne Hersteller.

Antidumpingabgaben sollten ernstgenommen werden, da diese oftmals 40 bis 60% liegen (im Vergleich liegt eine durchschnittliche Zollrate in den meisten westlichen Ländern nur bei 5%). Wenn Sie Produkte importieren, für die diese Antidumpingabgaben gelten, so erfahren Sie davon erst, wenn Ihre Produkte im Zielhafen eintreffen. Schließlich sind die chinesischen Hersteller nicht für Steuerabgaben außerhalb Chinas haftbar.

Es ist also wirklich entscheidend, herauszufinden, ob für Ihre Produkte oder Ihren Hersteller Antidumpingabgaben existieren, bevor Sie Bestellungen aufgeben. Für viele Produktpaletten und Industrien sind solche Antidumpingabgaben mittlerweile üblich. Lesen Sie mehr zu offenen Fällen in der Europäischen Union, in den USA oder in Australien:

Angegebener Wert

Zollgebühren und Steuern sind auf dem Zollwert basierende Prozentwerte.
Der Zollwert basiert auf dem angegebenen Wert, der wiederum auf der kommerziellen Rechnung stehen sollte – ein Dokument, welches vom Lieferanten bereitgestellt wird. Es ist wichtig, dass der korrekte Wert auf der Rechnung angegeben wird, da Sie sonst den falschen Betrag zahlen.

Es ist immer die Pflicht des Importeurs, sicherzustellen, dass der korrekte Wert auf der Rechnung angegeben wird. Diese Verantwortung kann nicht auf den chinesischen Händler abgeschoben werden.

HS Codes

Die Zollgebühren basieren nicht komplett auf dem angegebenen Wert, sondern variieren auch zwischen verschiedenen Produkten. Dennoch sind auch Zollbeamte immer gut beschäftigt. Sie haben keine Zeit, jedes einzelne Paket zu öffnen und die Gegenstände selbst zu klassifizieren. Stattdessen bestimmen HS Codes die Produkttypen.

HS Codes (Harmonized Commodity Description and Coding System) sind Teil des internationalen Klassifizierungssystems, welche diesen Vorgang recht einfach machen. Dennoch liegt es an Ihnen, sicherzustellen, dass der korrekte HS Code auf der Rechnung angegeben wird. Ansonsten zahlen Sie vielleicht Zollraten basierend auf falschen Produkten.

„Werden Zollgebühren zurückgezahlt?“

Nein, im Gegensatz zur Mehrwertsteuer können Zollgebühren nicht abgesetzt werden. Daher sollten Zollgebühren als Teil der Produktkosten angesehen werden und nicht als vorübergehende Ausgabe. Manchmal ist die Zollgebühr so gering, dass diese kaum einen Unterschied macht. In anderen Fällen macht die Zollgebühr jedoch einen großen Teil aus und ist wesentlicher Bestandteil der Beschaffungskosten.

Zahlung von Zollgebühren und Steuern

Es gibt verschiedene Wege, die Zollgebühren und fällige Steuern zu zahlen, wenn Sie Waren aus China importieren. Tatsächlich können Sie diese sogar direkt an Ihren chinesischen Händler zahlen. Sehen Sie nun eine Auflistung der üblichsten Fälle:

Option #1: Zahlen Sie Zollgebühren und Steuern an die Spedition

Diese Option ist vermutlich die einfachste. Ihre Fracht kommt am Zielhafen an und die Zollbehörde fügt die Zollgebühren und die Steuern (z.B. die Mehrwertsteuer) basierend auf dem angegebenen Wert und dem HS Code hinzu. Dieser Betrag wird Ihnen dann von der Spedition (z.B. FedEx oder DHL) in Rechnung gestellt.

In einigen Fällen wird von Ihnen verlangt, dass Sie die Rechnung für die Zölle und Steuern im Voraus bezahlen, bevor die Ware geliefert werden kann. Möglicherweise erhalten Sie bessere Zahlungsbedingungen, wenn Sie Kontoinhaber bei der jeweiligen Frachtgesellschaft sind. Das Logistikunternehmen verlangt üblicherweise zwischen 40 und 80US$ für die Verwaltung der Zollerklärung.

Option #2: Beantragen Sie einen Zollkredit bei Ihrer Zollbehörde

Zollbehörden bieten Importeuren Zollkredite an. Im Grunde dient der Zollkredit dazu, dass Sie erst die Ware erhalten und die Zollgebühren und Steuern später zahlen. Die Überweisung wird dann direkt an ein Konto der Zollbehörde getätigt (anstatt dem des Logistikunternehmens wie in Option #1).

Option #3: Kaufen Sie DDP (Delivery Duty Paid) direkt bei Ihrem Händler

DDP ist ein Incoterm, der zusätzlich zu den Versandkosten und den Hafengebühren auch die Zollgebühren beinhaltet. Die Zollgebühren sind im Preis enthalten, den Sie an den Händler zahlen. Jedoch sind zusätzliche Gebühren wie die Mehrwertsteuer oder GST üblicherweise nicht wegen der international unterschiedlichen Besteuerung enthalten. Stattdessen müssen diese Steuern bei Ankunft der Ware im Zielhafen bezahlt werden.

“Muss ich Zollgebühren oder andere Steuern in China bezahlen?“

Nein, ausländische Unternehmen und Einzelpersonen unterliegen keiner Besteuerung in China. Übrigens sollten alle in China erhobenen Kosten in dem FOB-Preis (Free on Board) enthalten sein. Wenn Sie jedoch Produkte mit den Ex Work Terms (EXW) von Ihrem chinesischen Händler kaufen, sind keine Versandkosten oder Exportkosten enthalten.

Dies bedeutet, dass Sie die Transportkosten von der Fabrik des Herstellers bis zum Starthafen UND für die Exportfreigabe zahlen müssen. Dies ist zwar keine Steuer, aber Kosten, die Sie beim Kauf in China nicht vermeiden können. Verallgemeinert empfehlen wir kleinen und mittelgroßen Importeuren den Kauf von Produkten mit dem FOB Incoterm und nicht mit dem EXW Incoterm.

Sie haben Fragen zu Zöllen und Steuern für Importe aus China? Schreiben Sie Ihre Frage in den Kommentarbereich!

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Eine Antwort to “Zölle & Steuern bei Importen aus China – der ultimative Guide”

  1. faris 13/08/2016 at 9:00 pm #

    Hallo.

    Ich möchte einige Container mit Kichererbsen aus China nach Hamburg geladen zu kaufen. Zum ersten Mal kaufe ich aus China. Frage ist, was man in Deutschland zahlen müssen Mehrwertsteuer und Steuern?

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